Das Schwalbenfreundliche Haus in Fulda und Künzell

Eine Sommer-Heimat für Flugkünstler

Hier auf dem Dorf gibt es sie noch: Die Mehlschwalben.


Foto: Andreas Wick, Verleihung von Urkunde und Plakette von Hans Ulrich Sprenger, zum Schwalbenfreundlichen Haus
Foto: Andreas Wick, Verleihung von Urkunde und Plakette von Hans Ulrich Sprenger, zum Schwalbenfreundlichen Haus

Das sind diese kleinen unfassbar wendigen Flugkünstler, die ihre Nester mit Lehm kunstvoll an die Unterseiten des Dachüberstandes von Häusern bauen.

Aber nicht überall sind sie willkommen. Viele Hausbesitzer spannen sich Seile oder weiß-rote Flatterbänder unter die Dachüberstände, um zu verhindern, dass die Schwalben sich dort ansiedeln, berichtet Herr Sprenger, Vorsitzender des NABU Fulda und Künzell e.V..

Die Leute haben Angst vor den Hinterlassenschaften (Kot) der Schwalben. Nicht so bei der Familie Wick aus Fulda-Zell. Hier dürfen sich die Schwalben noch so richtig „austoben“. Hier gibt es sie, eine Heimat für Schwalben.

Als ich in der Zeitung las, dass man sich beim NABU für eine Auszeichnung zum „Schwalbenfreundlichen Haus“ bewerben kann, zögerte ich nicht lange“, sagte Andreas Wick, der nach seinen Angaben die Schwalben bei der Hausübergabe vom Vater Josef „mit übernommen“ hatte. „Es tut einfach gut, wenn man den Schwalben beim Anflug auf ihre Nester beobachten kann. Wenn die Kleinen ihre Schnäbel aufreißen und gierig nach Futter betteln.

Es gab aber auch schon traurige Momente. Eines Jahres kam keine einzige Schwalbe zu uns und wir wussten erst nicht warum. Das war für uns total deprimierend. Wir fanden heraus, das nach unserem Dachumbau sich der Neigungsgrad geändert und die Kotbretter zu dicht am Nest waren. Somit konnten die Schwalben ihre Nester nicht mehr im geeigneten Winkel anfliegen“, berichtet Andreas Wick. „Wir entfernten daraufhin die Kotbretter und im Jahr darauf waren alle 12 Nester wieder belegt. Jedes Jahr werden die künstlichen Nester im Herbst abgebaut und mit heißem Wasser gereinigt, um Milben oder anderes Ungeziefer abzutöten. Dadurch ist sichergestellt, dass die Schwalben ihre Jungen im nächsten Jahr gesund und ohne Schädlingsbefall aufziehen können.“ Dabei wird auch gleich die Hauswand mit einer Wurzelbürste gereinigt. „Alles gar keine schlimme Arbeit.“, sagte Andreas Wick, „man muss es nur wollen“. Die Schwalben danken es der Familie, denn viele Mücken oder Fliegen gibt es in der Umgebung der Nester nicht, obwohl ein Teich vor dem Haus vorhanden ist.

Deshalb freute es Herrn Sprenger ganz besonders, der Familie Wick diese Auszeichnung, ausgerechnet am Tag an dem Herr Wick Geburtstag hatte, in Form einer Urkunde und einer Plakette überreichen zu können.

 

Text: Andreas Wick