Aktionen im Hessenforst


10. Februar 2024

Freischneiden von Amphibienteichen und Kartierung der im Forst befindlichen Nistkästen aller Art

Die letzte Woche hatte uns sehr verunsichert. Das Wetter zeigte sich von seiner feuchten, windigen und kühlen Seite. Dazu kam noch, dass es am Mittwoch anfing zu schneien. Natürlich kamen Fragen auf, ob das Freischneiden und die Nistkastenzählung im Oberroder Forst bei diesem Wetter überhaupt stattfindet. Ja natürlich, solange von der Försterin keine Absage kommt, findet alles wie geplant statt.

Dann kam der Samstagmorgen und alle die schon wach waren, sahen diesen herrlichen Regenbogen mit Sonnenschein.  Was war das für ein genialer Hoffnungsschimmer! Der Tag wird gut.

Als wir 23 Teilnehmer am Parkplatz Kottenbach eintrafen, war die Freude groß, denn fast alle, die zugesagt haben, sind gekommen.

Für das NABU/NAJU Organisationsteam war es auch sehr wichtig, dass unser erster Vorsitzender, Hans-Ulrich Sprenger aktiv dabei war.
Zum Orga-Team gehörte Annett Erb für die Nistkastengruppe, Dirk Keller für die Verpflegung und die Benutzbarkeit der Simshäuser Hütte, Nadine Rosin für die
NAJU und Annelie Röhm für die Freischneidegruppe und die Gesamtorganisation.

Wir lernten die junge Försterin Janna Kühlhorn kennen, einen Forstmitarbeiter Philipp Kirchlechner und die Praktikantin Ch. Scheibelhut. Nach der Begrüßung und den obligatorischen Einweisungen, gingen alle Teilnehmer zu ihrer Gruppe und fuhren zum Einsatzort. In Fahrgemeinschaften ging es für unsere Freischneidegruppe zum ersten Teich. Unter den Teilnehmern war eine Familie mit ihren zwei Kindern. Ja, wir von der NABU/NAJU Fulda und Künzell organisieren Veranstaltungen für Familien mit Kindern im Oberroder Forst. Die Kinder sind im Alter von 9 und 11 Jahren und sie waren es bereits gewohnt, mit Werkzeugen, wie Handsäge, Beil und Astschneider umzugehen.  Als jedoch Philipp seinen Kofferraum öffnete und die Kinder fragte, ob sie eine kleine HEPPE verwenden möchten, waren sie sofort bereit, dieses historisch anmutende Werkzeug auszuprobieren. Philipp zeigte uns allen die Handhabung und die Kinder begannen sofort die HEPPEN auszuprobieren.  Wie in den Jahren zuvor, bestimmten auch diesmal die Kinder das „Arbeitstempo“ und brachten uns wieder ins Schwitzen. Die Försterin Janna und auch Philipp waren erstaunt, wie schnell wir mit dem Freischneiden der Südseite des ersten Teiches fertig waren. Bevor wir ins Auto stiegen, sagte Janna, dass wir uns gemeinsam mal anschauen sollten, was wir bisher geleistet haben.  Danach fuhren wir zum nächsten Objekt. Diesmal war es ein Waldstück, dass wir Naturschützer als Biotop bezeichnen würden. Dort will der Forst diesen Bachlauf mit seinen Quelltöpfen und der dazugehörigen Aue bewahren. Wir hatten die Aufgabe bestimmte Pflanzen, die zur Säurebildung des Bodens beitragen und somit die auentypischen Strukturen zerstören würden, teilweise zu entfernen. Hinter dem Bachlauf befand sich noch ein Teich, dessen Südseite ebenfalls von uns zum Teil freigeschnitten wurde und nur in Gummistiefel erreichbar war. 

Auf einmal rief mich Lenard (11 Jahre) zu sich und fragte mich, ob mir der Ameisenhaufen aufgefallen ist. Er war zerstört, jedoch hatten die Waldameisen ihren Hügel bereits teilweise wieder repariert und geschlossen. Dann berichtete mir Lenard über seine Leidenschaft für diese kleinen Sechsfüßler und kannte einige Arten sogar mit ihren lateinischen Namen. Dann zeigte er mir noch unter einem Stein eine sehr kleine Ameisenart, die viel zu nah an dem Hügel der Waldameisen lebten. Er meinte, dass fast jeder Mensch hier in Deutschland mit diesen kleinen Tierchen irgendwann im Leben Bekanntschaft macht, weil es diese kleinen Ameisen sind, die ordentlich zwicken, (stechen oder sie versprühen Ameisensäure), wenn sie sich bedroht fühlen.

Janna die Försterin fand eine weibliche Grüne Huschspinne und hielt sie auf ihrer Hand. Sie zählt zu den Riesenkrabbenspinnen und ist ein tagaktiver flinker Jäger.

Doch dann fragte sie laut in die Gruppe, ob wir kein Hunger hätten. Es war schon zehn vor eins und unser Weg zur Simshäuser Hütte war noch weit.

An der Hütte angekommen waren wir die ersten, die bereits vom Dirk Keller erwartet wurden. Die Hütte war gut geheizt, also muckelig warm und das Essen schmeckte sehr lecker. Nach und nach kamen auch die Teilnehmer der Nistkastengruppe. Wir unterhielten uns angeregt über unsere Erlebnisse im Wald. Alle Teilnehmer waren begeistert von der Arbeit im Forstgebiet und vom sichtbaren Ergebnis unseres Tuns. Wir freuen uns auf das nächste Mal.

INFO: die Bilder und der Text über die Gruppe der Nistkasten-Kartierung wird später hier eingestellt.



Foto und Text: P. Kaiser
Foto und Text: P. Kaiser

Wald-Exkursion am 13. April 2023
Revierförster Patrick Pape-Hüpeden vom Forstamt Fulda zeigte den Mitgliedern des NABU Fulda und Künzell e.V. zuerst einen als Altholzfläche definierten Bereich. Diese Fläche wurde somit aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und kann sich nun frei entwickeln. Kartiert (erfasst) wurden Art, Stammdurchmesser (ab 35 cm) und Zustand der Bäume, wie z.B. Habitatbäume. Definition Habitatbaum (waldwissen.net): Ein Habitatbaum ist ein lebender oder toter, stehender Baum, der mindestens ein Mikrohabitat trägt. Der Begriff Mikrohabitat bezeichnet sehr kleinräumige oder speziell abgegrenzte Lebensräume. Habitatbäume und Totholz sind also für die Biodiversität im Wald ein entscheidender Faktor. Mikroorganismen, Pilze, Insekten, Amphibien/Reptilien, bis hin zu Vögeln und Fledermäuse nutzen stehendes und liegendes Totholz als Lebensraum, Brutplatz und/oder als Nahrungsquelle. Habitatbäume sind oft gekennzeichnet mit einem weißen "H" an ihrem Stamm.

Danach zeigte Herr Pape-Hüpeden uns eine Fläche zur Verjüngung des Eichenbestandes. Hier wurde durch Herausnahme einzelner Eichen Licht am Boden geschaffen, so dass die herabfallenden Eicheln beste Bedingungen für ihren Austrieb bekamen. Das Ergebnis sind bereits Millionen von Neuaustrieben, also für die Zukunft eine gesunde Mischung von alten und jungen Eichenbäumen. Die Bereiche wurden vorsichtshalber mit Holzgattern umzäunt, um die Triebe vor Verfraß durch Rehwild zu schützen. Aber auch außerhalb der eingezäunten Bereiche entwickeln sich die jungen Eichentriebe bisher überraschend gut. Die Eicheln dort haben eine solch hohe Qualität, dass sie nach einem Mastjahr (ein Jahr mit besonders hoher Samenproduktion) auch für die hessische Samendarrre (Samenbank) in Hanau geerntet werden, unter besonderen Schutzmaßnahmen aufgrund des hohen Wertes eines Sackes voll Eicheln. Herr Pape-Hüpeden würde sich wünschen, wenn sich interessierte Mitglieder, z.B. aus Naturschutzverbänden, dauerhaft an Maßnahmen im Wald beteiligen würden, somit die Entwicklung des Waldes unterstützen und letztlich die Bedeutung eines gesunden und artenreichen Waldes für Mensch und Natur erkennen und wertschätzen.