PRAKTISCHER NATURSCHUTZ: Freischneiden von Amphibienteichen und die Reinigung sowie Kartierung der Nisthilfen im Oberroder Forst.

Samstag, 19. März 2022, die Teilnehmergruppe trifft sich am Parkplatz Kottenbach



Foto: A. Röhm- Die Fragen des Försters, nach den Bäumen, die am Weg standen konnte Lasse alle beantworten.
Foto: A. Röhm- Die Fragen des Försters, nach den Bäumen, die am Weg standen konnte Lasse alle beantworten.

Bevor wir den ersten Teich erreichten, fragte uns der Förster Manfred, wer ihm sagen kann, wie dieser oder jener Baum heißt.

Lasse (11) konnte auf Anhieb jeden Baum benennen. Dann wurde er nach einem Baum befragt, der die Nummer 120 trug. „Esche“, sagte Lasse. „Was für eine Esche“, fragte Manfred. „Eberesche“, sagte Lasse.

Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir gingen weiter und Manfred machte uns auf einen besonderen Waldabschnitt aufmerksam, der sich links am Wege befand. Hier stehen viele verschiedene Bäume und auch andere Pflanzen gedeihen hier sehr gut. Der Boden ist feuchter als in anderen Waldabschnitten. Ole und Lasse stellten fest, dass im Wald bei Gersfeld die Blaubeeren nicht so hoch sind wie hier. „Ja“, sagte Manfred, „das hat mit dem Mikroklima zu tun, dass hier in diesem Waldabschnitt vorherrscht, in anderen Waldabschnitten des Forstes sind die Heidelbeeren ebenfalls viel niedriger.“


Dann zeigte uns Manfred eine Fichte, die eigentlich gesund aussah, die jedoch beim letzten Sturm einfach umgeknickt wurde, wie ein Streichholz. „Welche Aufgabe hat eigentlich der Baumstamm?“ Fragte Manfred und zeigte uns im Spalt des Baumes:

- die Leitung und Speicherung von Wasser und Nährstoffen,

- das Kernholz ist die Festigkeit von innen,

- die Borke ist die Sicherheit nach außen.

Dieser Baum und viele andere vom Sturm beschädigten Bäume bleiben so im Wald stehen. Sie sind Lebensraum für viele Lebewesen des Waldes. 


Am ersten Teich angekommen, erläuterte Manfred, warum wir die Südseite dieses Amphibienteiches freischneiden und gab Hinweise, wie sich alle bei diesen Arbeiten zu verhalten haben.

 

Nicht einmal 10 Minuten waren wir vor Ort, als jeder Erwachsene bemerkte, dass Ole und Lasse bereits Erfahrungen hatten im Umgang mit Säge, Baumschere und Axt. Sie wussten, wann sie welches Werkzeug einzusetzen haben. Sie legten ein Tempo an den Tag, so dass wir schwer zu tun hatten, das anfallende Schnittgut der Jungs aus dem Weg zu räumen.

 

Beide Jungs erinnerten mich an jene Kinder, die bisher an den Freischnittaktionen im Wald teilnahmen. Auch sie waren damals mit der gleichen Begeisterung und Geschicklichkeit im Umgang mit Schnittwerkzeugen bei der Sache gewesen.


Manfred rief uns zusammen und zeigte uns eine „Spur des Waldes“ die wir Laien mit Sicherheit übersehen hätten.  Ein dünnes und kahles Bäumchen hielt er in der Hand, wo noch Fetzen von Rinde am unteren Teil des Bäumchens zu sehen war. An diesem Bäumchen rieb ein Rehbock oder ein sehr junger Hirsch seine Geweihstangen, um sein Revier zu markieren. In der Jägersprache nennt man dieses Verhalten „fegen“ und der Rehbock ist dann ein „Feger“. Wie gesagt, dieses Bäumchen hätten wir als „Fegebaum“ nicht erkannt.

 

Es gab noch einen Baum, der etwas anders war. Er roch nach Citrus und jeder glaubte, dass es eine Douglasie sei. Auch als Nordmanntanne wurde er bezeichnet. Nein, zwar wird dieser Baum auch als Weihnachtsbaum gezogen und verkauft, aber eine Douglasie oder Nordmanntanne habe weichere Nadeln. Wir rieben einen Zweig zwischen den Händen und rochen alle daran. Leute, was für ein herrlicher Duft. Eine Mischung aus Citus- und Tannenduft. Es ist eine Küstentanne (Abies Grandis)


Foto: Annelie Röhm - Ein stark zugewachsener Teich wird freigeschnitten.
Foto: Annelie Röhm - Ein stark zugewachsener Teich wird freigeschnitten.

Als wir mit dem ersten Teich fertig waren, musste sich Manfred leider von uns verabschieden, brachte uns jedoch noch zum zweiten Teich. Plötzlich kreuzte ein Wildschwein unseren Weg. Zwischen Schrecken und Begeisterung waren die Empfindungen bei uns Teilnehmern, denn dort, wo das Wildschwein entlanglief, lag unser nächster Teich. Manfred beruhigte uns noch bevor er ging und meinte, dass die Wilschweinrotte einen anderen Weg nimmt und uns nicht behelligen wird. Er sollte Recht behalten.

Kaum hatten wir mit den Arbeiten am Teich begonnen, dachte eigentlich niemand mehr an den Vorfall. Peter bearbeitete die östliche Seite des Teiches und schnitt eine breite Schneise frei. Ole und Lasse übernahmen mit Julia die südliche Seite mit den vielen Fichten. Julia und ich zogen die „großen“ gefällten Bäume aus dem Weg und legten sie an geeigneter Stelle ab. Auch diesen Teich haben wir ordentlich freigeschnitten, jedoch sind einige große Fichten stehen geblieben, die mit unserem Werkzeug nicht „klein zu kriegen waren“.


Foto: D. Keller - Wir lassen es uns gut schmecken an der Simshäuser Hütte
Foto: D. Keller - Wir lassen es uns gut schmecken an der Simshäuser Hütte

Gegen zwölf Uhr machten wir uns auf den Weg zur Hütte. Dort warteten schon Dirk und Annett auf uns.  Annett hatte sich den ganzen Vormittag um die Nistkästen im Forst gekümmert, die noch gereinigt und kartiert werden mussten.Sie war diesmal allein und hat trotzdem eine enorme Strecke mit ihrem Rad abgefahren.

Dirk sorgte sich um unsere Verpflegung. Zu essen gab es Erbsensuppe mit Würstchen und Brötchen. Ich hatte noch einen Salat zubereitet und zur Verfügung gestellt. Alles hat super lecker geschmeckt.

 

Dann kam der Abschied und wir freuten uns sehr darüber, dass wir am heutigen Samstag Zeit hatten, um bei dieser Freischnittaktion im Forst dabei zu sein.

 

Wir freuen uns schon auf das nächste Mal.  Annelie